1W20 Ruinen

1. Auf einem Hügel erheben sich die Überreste einer Sternwarte. Die Kuppel ist teilweise eingestürzt, doch das große Fernrohr scheint noch intakt zu sein. Welche Sternenkonstellationen man wohl mit ihm erblicken kann? In den Ruinen lassen sich sicherlich alte Aufzeichnungen des Astronomen finden.

2. Der Blick wird frei auf eine gewaltige Windmühle, an der der Zahn der Zeit bereits die Schindeln und Teile der Flügel abgenagt hat. Die Größe der Mühle ist überraschend, liegt sie doch in einem recht windstillen Tal. Im Inneren findet man noch Spuren einer Art von Mehl, das aber ganz anders schmeckt als gewohnt.

3. In eine Felswand wurden Behausungen geschlagen. Diese sind so kunstvoll gemacht worden, dass es aussieht, als klebten die Häuser geradezu am Berg. Diese beeindruckende Stadt im Fels ist jedoch menschenleer. Allerdings findet man viele Gebrauchsgegenstände und sogar haltbar gemachte Nahrung wie Pökelfleisch.

4. Auf einer Insel in einem Fluss steht ein verlassen wirkendes Gasthaus. Die Insel weist weder Brücke noch Anlegestelle auf. Wie sind die Gäste trockenen Fußes dort hingekommen? Vielleicht ist es wegen der ausbleibenden Kundschaft pleite gegangen, aber es muss doch einen Grund geben, warum jemand ein Gasthaus an so eine ungewöhnliche Stelle baut? Das Innere des Gasthauses ist von Perlmutt überzogen.

5. Diese Ruine ist von weitem gar nicht als solche zu erkennen. Vielmehr handelt es sich um ein riesiges Tierskelett, in dem Seile, Leinen und Häute gespannt sind. Tonscherben und ausgetretene Feuerstellen zeigen aber, dass dies einst die Heimstatt von Barbaren war. Sie scheinen aber hastig aufgebrochen zu sein. Am Rande der Ruine kann man die Spuren von großen Ziegen entdecken. Allerdings stammen die Spuren von Zwei- und nicht von Vierbeinern.

6. In der Mitte eines Tales liegen diverse Gebäude auf dem Boden. Diese sehen aus als wären sie vom Himmel gefallen. Um die Gebäude herum befinden sich in regelmäßigen Abständen Blasen. Vielleicht konnte darin eine Art Fluggas gespeichert werden. Alle Häuser bestehen aus einem Material, welches auf den ersten Blick wie Silber aussieht, aber bei näherer Betrachtung nichts entspricht, was auf der Welt bekannt ist.

7. Im ersten Moment fallen die üppig von der Vegetation überwucherten Fundamente gar nicht auf, aber nach kurzer Zeit entdeckt man schnell, dass man sich inmitten der Überreste einer kleinen Siedlung befindet. Nur wenn man sich die Mühe macht und Moos und Wurzeln beseite schafft, offenbart sich eine Eigentümlichkeit: Die Fundamente scheinen aus einem einzigen, fugenlosen Stück zu bestehen, als sei der Stein aus einem einzigen Guss- oder … wie ein Baum direkt aus dem Boden gewachsen.

8. In einem der besseren Viertel der Stadt steht diese uralte Ruine und weigert sich, ausgebessert oder abgerissen zu werden. Man sieht noch die Reste von Instandsetzungsarbeiten: Leitern, Gerüste, Seilzüge und Kranbauten aus Holz. Aber auch diese wurden wieder verlassen. Etwas hat die Arbeiter vertrieben. Und überall brechen kräftige schwarze Stämme und dornige, kriechende Ranken aus Fensterhöhlen, Mauerdurchbrüchen und Spalten.

9. Dieser fehlgeschlagene Versuch einer Magierakademie gilt als Mahnmal dafür, dass man keine zwei Zauberer unter einem Dach beherbergen kann, ohne dass sie sich aufs Blut verfeinden. In einem Streit über die Grundlagen der Magie wurde etwas unaussprechlich Seltsames in die Welt gebracht, welches sich das Gebäude einverleibte und zu einer einzigen Todesfalle aus haarsträubend verdrehter Raumgeometrie, Schwerkraft-, Zeit-, Temperatur und Lichtanomalien und irrwitzigen Portalen machte. Noch heute hört man die verzweifelten Schreie aus jener Nacht, in der alle 273 Studenten, Lehrmeister und Bediensteten spurlos verschwanden.

10. Die alte Stadt ist der verfluchte Teil einer großen Metropole. Hier findet man Kranke, Drogensüchtige und andere Ausgestossene der Gesellschaft. Auch munkelt man von einem Kult, der einer alten Göttin zu neuer Macht verhelfen möchte.

11. Abseits der Wege: die modernde Ruine des Alten Turms. Draussen: Donner und Blitz. Drinnen: Schattenspiele am Lagerfeuer. Dann: ein Schrei…

12. Inmitten der zerfallenen Mauern einer längst vergessenen Stadt erhebt sich ein makelloser Monolith aus einem glatten, tiefschwarzen Material. Kein Moos, keine Flechte will auf ihm wachsen, keines der vielen vergangenen Jahrtausende konnte ihm etwas anhaben. Ein leises, pulsierendes Dröhnen scheint von ihm auszugehen.

13. Eine riesige Eiche erhebt sich aus dem Zentrum eines halb verfallenen Amphitheaters. Die Wurzeln der Eiche verlaufen weitflächig über der Erde und durchdringen allenthalben das Gestein. Oft ähneln sie verrenkten Körpern mit knollenartigen, ungestalten Köpfen.

14. Der einzige Zugang zum Inneren dieses seit Jahrtausenden verlassenen, massiven Rundbaus scheint sich in luftiger Höhe zu befinden, wo einst sein Dach gewesen sein dürfte. Die Reste einer Steintreppe winden sich an der Wand entlang zu ihm hin, allerdings ist der Sandstein, aus dem sie besteht, verglast. Tatsächlich scheint das für die komplette Ruine zu gelten. Den Legenden nach soll ein magischer Feuersturm dafür verantwortlich sein.

15. Im entlegensten Winkel einer staubigen, unfruchtbaren Einöde findet man unter Staub und Sand die gut erhaltenen Ruinen einer einstigen Metropole, über deren Erbauer es nicht einmal mehr Sagen gibt. Überall finden sich in Stein gehauene Darstellungen seltsam maritim anmutenden Reichtums. Schiffe, Meerestiere, Palmen, exotische, oft nicht zu identifizierende Tiere und scheinbar auch Menschen. Doch irgendjemand hat sich schon vor langer Zeit offensichtlich große Mühe gegeben, die Darstellungen vor allem der Letzteren überall in der Stadt zu zerstören, sodass ihr Aussehen nicht mehr zu bestimmen ist.

16. Keine halbe Tagesreise waldeinwärts liegen die Ruinen. Überwuchert vom Efeu, von Wurzeln gebrochen, mahnen die alten Steingebilde von vergessenen Tagen. Unheimlich trotzen gefallene, graue Statuen und umgestürzte Säulen ehemals großer Hallen dem Zahn der Zeit. Doch ein genauer Blick lässt das Blut des Betrachters gefrieren. Alle Augen der Statuetten wurden entfernt – und das vor nicht allzu langer Zeit!

17. In einer verborgenen Bucht, die wie mit dem Schnitzmesser in eine Steilküste hineingeschnitten wirkt, finden sich die Überreste eines Dorfes, dessen Erbauer offensichtlich nichts mit den sonstigen Bewohnern des Landes gemein hatten. Darstellungen von Kraken, Meermenschen und Seeschlangen weisen auf eine fremde Religion hin. Seit vielen Jahren stehen die Häuser leer und angeblich weiß niemand, wohin die Dörfler verschwanden. Doch der Ausdruck in ihren Augen, wenn die Leute sagen, dass „niemand dort hin geht“ legt nahe, dass sie nichts gutes ahnen.

18. Unfassbar dünne, gläserne Streben steigen zum Himmel empor, hart und unzerstörbar und doch formlos, wie im Fließen erstarrte Wasserfälle. In gewaltiger Höhe treffen sie aufeinander, verbinden sich und trennen sich wieder, bilden Geflechte, Plattformen, Netze, Kuppeln. Die Struktur bricht das Licht der Sonne myriardenfach und sie singt, wenn der Wind sie in Schwingung versetzt. Niemand weiß mehr, welche Wesen dieses Wunder erschaffen haben und noch nie hat jemand seine glatte Höhe erklommen.

19. Ein gewaltiger Felsberg dreht träge seine Bahn über Schattenweiler. In der zerklüfteten Oberfläche sind Höhleneingänge mit Gittern und Toren aus Eisen zu sehen, verformt und rot von Rost, als hätte sich vor langer Zeit etwas mit übernatürlicher Gewalt seinen Weg in die Freiheit gebahnt. Niemand weiß, was den Riesenstein in der Luft hält, aber manchmal treibt er nah genug an den Ort, dass man vom höchsten Dach aus beinahe danach greifen könnte.

20. Ohne Weg und Steg erstreckt sich die wüste Heide in alle Richtungen soweit das Auge blickt. Kein Reisender verbringt hier gern die Nacht, denn wenn die Sonne sinkt, spiegelt sich Sternenlicht auf nicht vorhandenen Dächern, wirft der Mond die Schatten nicht vorhandener Wesen auf nicht vorhandene Mauern und klingt leiser Gesang durch nicht vorhandene Gassen. Manchmal folgen Leute dem Lied, wandern unsehbaren Wegen nach und werden nie wieder gesehen…

Autoren: Daicorion, Moonmoth, oliverschwarz, Pixellance, Scimi, Tegres, The_Nathan_Grey